Johan sitzt mir gegenüber und fragt mich, wen ich sehe, wenn ich in den Spiegel schaue. Ob Ich es sei, und wo in der Welt ich mich sehen will, welche Träume ich habe. Er erzählt mir von der Menschlichkeit arabischer Völker, seiner Liebe zur deutschen Ordnung und dem Leben in seiner Ortsungebundenen Freiheit.
Seine Haare sind seit gestern wieder etwas kürzer, die Hose ist auch neu, die alte zu zerrissen. Er fühlt sich wieder jugendlicher, sagt er.
Ich sitze ihm gegenüber und denke über seine Fragen nach. Meine erste Reaktion war ein leerer Blick aus dem Fenster. Ich sagte, dass ich sie nicht beantworten könne. Manche Antworten, sagte ich weiter, bedürfen viel Zeit um sie ansatzweise greifbar zu machen.
Bedarf es für große Fragen eigentlich auch große Antworten? Große Träume kann ich doch eigentlich nur haben, wenn ich die Dinge im kleinen nicht akzeptieren und genießen will. Auch wenn die Flucht nicht immer das schlechteste ist.
Johan will jetzt Farsi lernen um bald wieder in den Iran reisen. Wenn du Humanist bist, sagt er, dann musst du auch einmal dort hin. Im Sommer fährt er aber erst einmal nach Belgrad, Serbien. An der Donau soll man gut Zelten können, es soll schöne Frauen geben und auch sonst soll das Land sehr spannend sein.
Er sieht Sich im Spiegel. Was Du denkst und machst ist am wichtigsten, sagt er. Liebe dich und höre nicht immer darauf was andere sagen, ob es negativ oder positiv ist.
Die Fragen, die er mir gestellt hat, beantwortet er sich auch. Nicht aufdringlich und nicht auf eine selbstverliebte Art. Er ist einer dieser Menschen, die sich selbst schätzen und die Kleinigkeiten voll auskosten, ohne große Träume stricken zu müssen.
Es hat nicht den Anschein, als sei er aus der Gesellschaft ausgestiegen. Er ist nicht böswillig oder zynisch gegenüber anderen. Und, wer würde nicht schon gerne von sich behaupten können, sich selber im Spiegel zu sehen.