Teilnahmslos

von Michael Schröder am 09.12.2011

Sie blicken auf mich herab,
aufgereiht zu so vielen.
Bis zur obersten Empore
stehen Sie glotzend da.
Hierarchisch, verstört?

Wachsende Wände, Scheiben
und glotzende Hände.
Blinkende Augen und Scheinwerfer.
Sie ergötzen sich an mir.

Welch leerer Aufschrei dieser Blicke,
so gläsern und unaufrichtig.
Dort verliert einer die Hülle,
angstvoll diesen Weg zu gehen.

Im offenen Felde neben mir,
hier hallt der Aufschrei.
Zurückwerfend in die eigene,
ausgefüllte Hülle.

Unwissend unbedacht
und zutiefst empört.
Unmöglich.

Ein Jahr

von Benjamin Klasche am 24.10.2011

Als Quentin damals das Geräusch der bremsenden Räder vernahm und mit seinen Habseligkeiten aus dem Wagon des Zuges ausstieg schweiften seine Blicke zum ersten Mal durch das innere des städtischen Hauptbahnhofes. Sie blieben vor allem an den zahlreichen Ladenbeschreibung in der völlig fremden Sprache und an den reizenden Beinen der Frauen hängen.

weiterlesen.. »

#1

von Benjamin Klasche am 05.10.2011

Sie schweifen rechts und links,

treffen Fenster wie Zeiger,

eben diese stehen scheinbar still.

Ja, das ist schwer zu glauben.

-

Sie senken sich auf und ab,

fokussieren Minuten und Sekunden,

im Gallopp scheinen sie sich zu bewegen.

Auch hier lassen sie Unglauben folgen.

weiterlesen.. »

Begegnungen: I

von Michael Schröder am 19.06.2011

Johan sitzt mir gegenüber und fragt mich, wen ich sehe, wenn ich in den Spiegel schaue. Ob Ich es sei, und wo in der Welt ich mich sehen will, welche Träume ich habe. Er erzählt mir von der Menschlichkeit arabischer Völker, seiner Liebe zur deutschen Ordnung und dem Leben in seiner Ortsungebundenen Freiheit.

Seine Haare sind seit gestern wieder etwas kürzer, die Hose ist auch neu, die alte zu zerrissen. Er fühlt sich wieder jugendlicher, sagt er.

Ich sitze ihm gegenüber und denke über seine Fragen nach. Meine erste Reaktion war ein leerer Blick aus dem Fenster. Ich sagte, dass ich sie nicht beantworten könne. Manche Antworten, sagte ich weiter, bedürfen viel Zeit um sie ansatzweise greifbar zu machen.

Bedarf es für große Fragen eigentlich auch große Antworten? Große Träume kann ich doch eigentlich nur haben, wenn ich die Dinge im kleinen nicht akzeptieren und genießen will. Auch wenn die Flucht nicht immer das schlechteste ist.

Johan will jetzt Farsi lernen um bald wieder in den Iran reisen. Wenn du Humanist bist, sagt er, dann musst du auch einmal dort hin. Im Sommer fährt er aber erst einmal nach Belgrad, Serbien. An der Donau soll man gut Zelten können, es soll schöne Frauen geben und auch sonst soll das Land sehr spannend sein.

Er sieht Sich im Spiegel. Was Du denkst und machst ist am wichtigsten, sagt er. Liebe dich und höre nicht immer darauf was andere sagen, ob es negativ oder positiv ist.

Die Fragen, die er mir gestellt hat, beantwortet er sich auch. Nicht aufdringlich und nicht auf eine selbstverliebte Art. Er ist einer dieser Menschen, die sich selbst schätzen und die Kleinigkeiten voll auskosten, ohne große Träume stricken zu müssen.

Es hat nicht den Anschein, als sei er aus der Gesellschaft ausgestiegen. Er ist nicht böswillig oder zynisch gegenüber anderen. Und, wer würde nicht schon gerne von sich behaupten können, sich selber im Spiegel zu sehen.

Der Fluss

von Benjamin Klasche am 07.06.2011

Ich steige aus der Bahn. Ein kurzer Blick nach rechts, ein kurzer nach links. Bereits im nächsten Moment werde ich von dem Fluss aus Menschen mitgerissen. Sie strömen die Treppen die zur Straße führen herunter und gedankenverloren lasse ich mich von ihnen mitnehmen. Ich lasse es noch einige Meter geschehen, bis sich mein Bewusstsein wieder sammelt und ich stehen bleibe. Die Körper hetzen links und rechts an mir vorbei. Auf dem Weg zur Arbeit, nach Hause, zu den Eltern, zur Liebhaberin.

weiterlesen.. »